Jedes Jahr am 5. Mai findet der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Rund um dieses Datum machen Initiativen, Verbände, Einrichtungen und Einzelpersonen sichtbar, wo Teilhabe bereits gelingt und wo Menschen mit Behinderung im Alltag weiterhin auf Barrieren stoßen. Die Aktion Mensch unterstützt den Protesttag seit vielen Jahren finanziell und organisatorisch. Für 2026 stand der Zeitraum vom 2. bis 10. Mai unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“.
Der Protesttag ist wichtig, weil Gleichstellung nicht allein durch gute Absichten entsteht. Sie braucht konkrete Bedingungen: zugängliche Gebäude, verständliche Informationen, inklusive Bildungs- und Kulturangebote, verlässliche Assistenz, Mobilität, faire Beteiligungsmöglichkeiten und eine Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung nicht nur mitdenkt, sondern einbezieht. Der 5. Mai erinnert daran, dass Teilhabe kein Zusatzangebot ist, sondern ein Recht.
Gerade in Zeiten knapper Kassen steht dieses Recht unter Druck. Die Aktion Mensch weist darauf hin, dass Sparmaßnahmen im Sozialbereich und veränderte politische Rahmenbedingungen bereits erreichte Fortschritte gefährden können. Zugleich bleibt für viele Menschen mit Beeinträchtigung strukturelle Diskriminierung Alltag. Der Protesttag bündelt deshalb Forderungen, macht Barrieren öffentlich sichtbar und schafft Aufmerksamkeit für Themen, die sonst häufig nur dann wahrgenommen werden, wenn Betroffene selbst immer wieder darauf hinweisen müssen.
Dabei geht es nicht nur um politische Beschlüsse, sondern auch um die Lebenswirklichkeit vor Ort. Wer kann an einem Konzert teilnehmen? Wer kommt in den Probenraum? Wer findet Informationen in verständlicher Sprache? Wer wird eingeladen mitzumachen, statt nur zuzuschauen? Solche Fragen entscheiden darüber, ob Inklusion im Alltag ankommt.
Hier setzt auch Hier klingt’s mir gut an. Das Projekt macht sichtbar, wo Musik und kulturelle Teilhabe inklusiv gedacht und praktisch umgesetzt werden. Denn Musik kann ein besonders wirkungsvoller Raum für Begegnung sein. Gleichzeitig zeigt gerade die Musikpraxis sehr konkret, wo Barrieren bestehen: bei Räumen, Wegen, Kommunikation, Notenmaterial, Assistenz, Finanzierung oder in den Erwartungen an Leistung und Perfektion.
Der 5. Mai und „Hier klingt’s mir gut“ verfolgen deshalb ein gemeinsames Anliegen: Teilhabe soll nicht vom Zufall abhängen. Sie braucht Strukturen, Aufmerksamkeit und Menschen, die bereit sind, ihre Angebote so zu gestalten, dass möglichst viele teilnehmen können. Ein inklusives Konzert, ein barrierefreier Probenort oder ein Ensemble, in dem Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammenarbeiten, sind keine kleinen Nebensächlichkeiten. Sie sind konkrete Beispiele dafür, wie Gleichstellung praktisch werden kann.
Der Protesttag erinnert daran, dass noch viel zu tun ist. „Hier klingt’s mir gut“ zeigt, wo bereits etwas in Bewegung kommt. Beides gehört zusammen: der Blick auf bestehende Barrieren und die Ermutigung, sie Schritt für Schritt abzubauen. Denn eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht durch einzelne Aktionstage. Aber solche Tage helfen, das Thema sichtbar zu halten und aus guten Beispielen dauerhafte Veränderungen werden zu lassen.
Wir sind dabei!





