Manchmal entsteht Neues nicht aus einem großen Plan, sondern aus einer schlichten Notwendigkeit. Beim Neuen Rock-Oper-Ensemble Gütersloh, kurz NRO, war es genau so. Am 20. März 2024 ging das Ensemble aus der Musiktheater-Werkstatt der Musikschule für den Kreis Gütersloh hervor. Einer der Gründe: Die Musikschule war nicht barrierefrei. Für eine Gruppe, die davon lebt, dass wirklich alle mitmachen können, war das auf Dauer keine Lösung.
Sehr schnell fand das Ensemble Unterstützung. Der Verein fairleben gt nahm die Gruppe als Initiative auf, und die katholische Kirchengemeinde Gütersloh stellte mit dem Liebfrauen-Gemeindehaus barrierefreie Räume zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung. Seitdem wird dort jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr geprobt, bei Bedarf auch an Wochenenden. Aus einer Werkstatt wurde also ein Ensemble und aus einem Problem entstand ein neuer Ort der Begegnung.
Heute besteht das NRO aus rund 30 Menschen im Alter von 7 bis 84 Jahren. Sie kommen aus unterschiedlichen Nationen, manche leben mit Behinderung, andere nicht. Was sie verbindet, ist die Freude am gemeinsamen Singen, Schauspielen und natürlich die Leidenschaft, gemeinsam auf der Bühne zu stehen.
Geleitet wird das Ensemble von einem Team, das seine unterschiedlichen Stärken einbringt: Gudrun Elpert-Resch verantwortet als Autorin und Gesangscoach die musikalisch-inhaltliche Arbeit, Frank Salomon-Neumann begleitet das Schauspiel, Nicole Ritschel übernimmt Piano und Choreinstudierung, Moritz Ritschel sitzt am Drum-Set, Gabi Neumann führt Regie, und Lilli Neumann ist für Choreographie und Bühnenbild zuständig. So entsteht ein gemeinsamer künstlerischer Prozess, in dem viele Perspektiven zusammenfinden.
Wo das NRO auftritt, ist gute Laune garantiert. Doch es geht auch darum, den inklusiven Gedanken auf die Bühne zu bringen. Und jede und jeder kann mitmachen. Genau diese Botschaft trägt das Ensemble in die Stadtgesellschaft hinein. Ob bei der Landesgartenschau in Höxter, beim Parkfest der LWL-Klinik Gütersloh, beim Bürgertag, bei der Langen Nacht der Kunst, in der Weberei oder bei vielen weiteren Gelegenheiten: Das NRO zeigt, wie lebendig inklusives Musiktheater sein kann.
Die bisherige Krönung dieser Arbeit war die Uraufführung der eigenen Rock-Oper „Gütersloh – Was heißt hier schon normal?“ vom Februar dieses Jahres. Darin setzte sich das Ensemble mit der Psychiatriegeschichte der Stadt Gütersloh auseinander, von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Für den 10. Oktober 2026 ist eine weitere Aufführung in der Aula des Städtischen Gymnasiums geplant, im Rahmen des Weltseniorentages. Im Herbst erhält das Ensemble auch unser Prädikat „Hier klingt’s mir gut“. Denn das NRO steht beispielhaft für das, was dieses Prädikat sichtbar machen möchte: Orte, an denen Musik verbindet, Barrieren abgebaut werden und Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Behinderung gemeinsam Kultur gestalten. Oder, um es mit der Botschaft des NRO zu sagen: Zusammen sind wir stark!





