Anna Reizbikh steht für eine junge Theatergeneration. Früh auf der Bühne aktiv, heute Mitgründerin eines inklusiven Musiktheater-Kollektivs und Gastspielerin an verschiedenen Häusern, bringt sie künstlerische Qualität und gesellschaftliche Perspektive zusammen. Im Gespräch erzählt sie, warum Inklusion für sie mit Aufmerksamkeit und echtem Miteinander beginnt, welche Hürden im Kulturbetrieb noch bestehen und weshalb große Bühnen eine entscheidende Rolle für Sichtbarkeit spielen.
Wie bist du zum Theater gekommen?
Ich habe schon in der Schule in der Theater-AG gespielt. Seit 2013 bin ich Mitgründerin des Musiktheater-Kollektivs „I can be your translator“ und konnte so im Theater Fuß fassen. Seit 2023 wurde ich von anderen Theatern als Gastspielerin angefragt. Seit 2024 bin ich im KJT Dortmund in „Der Zauber von Oz“ und „Super, der Markt für alle“ zu sehen.
Was bedeutet Inklusion für dich ganz konkret im Alltag?
Inklusion bedeutet für mich, mitzudenken und zu handeln, die Augen zu öffnen, Barrieren wahrzunehmen und zu versuchen, ein gutes Miteinander zu leben.
Wann funktioniert Inklusion im Kulturbetrieb wirklich?
Im Kulturbetrieb funktioniert Inklusion oft besser als im Alltag. Es geht zwar viel um rechtliche Fragen und darum, wie etwas praktisch funktionieren kann, wenn ein Gebäude zum Beispiel nicht barrierefrei ist. Aber selbst dann findet man einen Weg.
Was verändert sich künstlerisch durch inklusive Ensembles?
Die Behinderung tritt in den Hintergrund, und man konzentriert sich stärker auf das Künstlerische. Außerdem ist man achtsamer im Miteinander.
Wo liegen aktuell die größten Hürden in Deutschland?
Eine große Hürde ist, dass Menschen, die nicht selbst betroffen sind, Regeln für Betroffene festlegen und diese dabei nur selten miteinbeziehen.
Welche Rolle spielen große Häuser wie das Theater Dortmund?
Sie spielen eine sehr wichtige Rolle, weil Sichtbarkeit, vor allem in großen Häusern, oft schneller und von viel mehr Menschen wahrgenommen wird.
Wie reagiert das Publikum auf inklusive Produktionen?
Das ist immer unterschiedlich, aber ich habe bisher nur positives Feedback erhalten.
Was fehlt jungen Künstlerinnen und Künstlern heute am meisten?
Ich würde sagen, es fehlen oft Geduld und der Mut, etwas auszuprobieren, was man vorher noch nicht gemacht hat, also etwas Neues zu wagen und über den eigenen Schatten zu springen.
Wie sollte die inklusive Kulturlandschaft in zehn Jahren aussehen?
In zehn Jahren sollten wir am besten gar nicht mehr über Inklusion in der Kultur sprechen müssen, weil es hoffentlich kein besonderes Thema mehr ist und vieles selbstverständlich inklusiver geworden ist.





