Inklusionsarbeit im Fränkischen Sängerbund: Teilhabe beginnt in der Probe

Inklusion ist im Fränkischen Sängerbund kein Randthema, sondern ein konkretes Arbeitsfeld. Der Verband vertritt die Amateurchöre in Franken und der nördlichen Oberpfalz. Für Chöre, Chorleitungen und Engagierte gibt es dort Informationen, praktische Hinweise und Ansprechmöglichkeiten, wenn es um Teilhabe in der Musik geht.

Der Fränkische Sängerbund beschreibt sehr konkret, was inklusive Chorarbeit im Alltag braucht. Genannt werden etwa barrierefreie Zugänge, eine behindertengerechte Toilette, ein klar strukturierter Probenablauf, der Einsatz leichter Sprache, häufige Wiederholungen, das Zwei-Sinne-Prinzip aus Hören und Sehen sowie die Möglichkeit, unterschiedliche Materialien selbst zu wählen.

Hinzu kommt ein Verständnis von Chorarbeit, das musikalische Qualität und menschliche Offenheit nicht gegeneinander ausspielt. Auf der Inklusionsseite des FSB wird betont, dass Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitiger Respekt und die Anerkennung von Vielfalt eine Bereicherung für alle Beteiligten sein können. Inklusive Chorarbeit erscheint hier nicht als Sonderform des Singens, sondern als ein Modell gelingender Gemeinschaft.

Dass der Verband das Thema ernst nimmt, zeigt sich auch an den ergänzenden Angeboten: Fortbildungsmöglichkeiten zur inklusiven Musikpädagogik, ebenso ein Wegweiser für demenzsensible Musikangebote. Außerdem gibt es einen eigenen Ansprechpartner für Inklusion und Teilhabe in der Chorarbeit: unser Kurator Ralf Schuband.

Darin liegt die Stärke dieser Inklusionsarbeit: Sie setzt nicht erst bei großen Projekten an, sondern bei den Bedingungen des Alltags: Wie wird geprobt, wie wird gesprochen, wie wird gelernt, wie wird auf individuelle Bedürfnisse reagiert? Wer diese Fragen ernst nimmt, verändert Chorarbeit von innen.

Ein besonders anschauliches Beispiel für diese Haltung ist der Lungenchor „Atemtöne“ in Bad Windsheim. Das Projekt wurde im September 2025 von der Lungenfachärztin Dr. Borghild Grün gegründet und richtet sich vor allem an Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen wie Asthma, Lungenfibrose oder COPD. Geleitet wird der Chor von Ralf Schuband. Unter dem Dach des Fränkischen Sängerbunds treffen sich dort inzwischen mehr als 30 Menschen regelmäßig zum gemeinsamen Atem-, Stimm- und Singtraining. Gerade an diesem Beispiel wird sichtbar, dass Inklusionsarbeit im Chor nicht nur eine Frage von Barrierefreiheit oder Haltung ist, sondern auch ganz konkret neue Räume der Teilhabe schaffen kann: für Menschen, die sich im Alltag oft zurückziehen müssen, und die im gemeinsamen Singen wieder Gemeinschaft, Ausdruck und Lebensqualität erfahren.

Radio8 brachte Ende 2025 einen ersten Eindruck dieses tollen Projekts live im Radio. Hier zum Nachhören:

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